Anus-praeter Hernie, Stomahernie
Jede Form der künstlichen Darmausleitung erfordert einen künstlichen Durchtritt des Darmabschnittes durch die Bauchwand. Selbstverständlich muss diese Durchtrittsstelle so weit sein, dass der Kot ungehindert nach außen treten kann, aber auch so weit eingeengt, damit sich nicht weitere Organe, wie der Dünndarm einen Weg zwischen Darmausgang und Bauchwand bahnen und so eine Hernie entsteht.
Von einer Stomahernie oder Anus praeter Hernie sprechen wir, wenn Dünn-oder weitere Dickdarmanteile oder Anteile der großen Fettschürze im Bauchraum neben dem Darm durchschlupfen und zwischen Bauchdecke und Darmschlauch hervordrängen.
Folge kann das Einengen einiger Darmanteile sein, sei es des abführenden Dickdarmschlauches, sei des eingestülpten Dünndarmschlauches.
Sowohl im akuten als auch im unsymptomatischen Stadium ist eine erneute Rekonstruktion der Anus praeter Austrittsstelle erforderlich.
Ob an gleicher Stelle oder an anderer Stelle das Stoma verbleiben kann, hängt von der anatomischen Situation des Bruches und der Bauchwand ab.
Heutzutage besteht die Möglichkeit eines Bruchverschlusses mit einem Kunststoffnetz, dessen Implantation große Erfahrung bei dem Operateur voraussetzt. Stomaträger mit Problemen im Anus praeter Bereich sollten zunächst sich von ihrem Stomatherapeuten bzw. von dem Mitarbeitern der Deutschen ILCO beraten lassen.
Die weitaus häufigsten Komplikationen chirurgischer Art bei der Anlage eines Anus praeter sind
- die Anus praeter Hernie
- der Anus praeter Prolaps
- die Anus praeter Stenose sowie
- das retrahierte Stoma
Diese Komplikation betreffen alle Formen des Stomas.
Trotz subtiler Operationstechnik und größter Sorgfältig seitens des Operateurs können die genannten Komplikationen nicht vermieden werden.
Die Anus praeter, der Prolaps und die Retraktion sind jedoch bevorzugt beim übergewichtigen Patienten zu finden. Gerade diese Patientengruppe stellt den Chirurgen bei der Implantation eines Stomas und bei der Nachsorge vor große Probleme.
Es muss deshalb zwingend an die Einsicht des Stomaträgers appelliert werden, durch kontrollierte und kaloriengerechte Ernährung Übergewicht zu vermeiden. Ebenso sollte das Tragen schwerer Lasten gemieden werden.
Wenn auch eine operative Korrektur meist möglich ist, so besteht jedoch weiterhin die bindegewebige Disposition zu einer Wiedererkrankung. Prophylaktisch kann insbesondere bei adipösen Patienten das Tragen eines maßgeschneiderten Mieders sinnvoll sein.
Bei der Anus praeter Hernie weicht die Bauchdecke um das Stoma auseinander und andere Darmanteile können neben dem Stoma unter der Haut heraustreten. Beim Anus praeter Vorfall löst sich das Stoma aus der Verankerung heraus und kann weit vor die Bauchdecke vorfallen. Es kommt hier wie bei der Anus praeter Hernie oft zu Problemen der Versorgung mit dem Stomabeutel. Außerdem kann sich eine Stuhlverhaltung bis zum Darmverschluss einstellen.
Durch Entzündungen der Darmschleimhaut unter das stoma umgebende Haut- und die das stomaumgebende Hautoberfläche können sowohl das Stoma, die Bauchhaut als auch die Öffnung in den Bauchdecken soweit schrumpfen, das es zu einer Anus praeter Stenose kommt und nur noch dünner Stuhl aus dem Stoma entleert werden kann.
Schon bei leicht eingedicktem Kot kann die Anus praeter Stenose zu einem Darmverschluss führen. Falls eine Aufdehnung mit dem Finger und eine Entleerung über eine Klysma akut nicht zur Entleerung führt, muss eine Notoperation erfolgen, bei der das Stoma operativ erweitert werden muss.
Die Anus praeter Retraktion ist sicherlich eine Komplikation, die chirurgisch am schwierigsten zu versorgen ist. Dem Operateur sind die fettreiche Bauchdecke und kurzes Darmgekröse technisch Grenzen bei der Mobilisation des stomatragenden Darmabschnittes gesetzt.
Auch hier kann nur eine erhebliche Gewichtsreduktion vor einem Korrektureingriff ein befriedigendes und dauerhaftes Ergebnis einbringen.
Bei den genannten Komplikationen, insbesondere bei Hernie und Prolaps kann der Einsatz von plastischem nicht körpereigenen Material, wie die von Kunststoffnetzen analog den Leistenhernien zur Anwendung kommen.
Der Verschluss von Hernie und Prolaps sowie die Neuimplantation des stomatragenden Colonanteiles bedarf einer großen Erfahrung des Chirurgen. Die Verstärkung mit Netz kann hilfreich sein, ist oft nach ausgedehnter Bauchwandschwäche die einzige Möglichkeit, einem sicheren Hernienverschluss und Prophylaxe zum Anus Prolaps.
