hr1-Reportage
Mit Reportagen aus dem Krankenhausalltag zeigte hr1-Reporterin Claudia
Ogrinz zwischen April und Juli 2007, wie die politische Theorie der
Gesundheitsreform in der Praxis umgesetzt wird.
St. Josef Portrait
- Sendetermin Dienstag, 3. April, 10:00 Uhr
Was bedeutet die neue Gesundheitsreform in der Praxis? Nicht einmal
Experten können das richtig abschätzen. hr1-Reporterin Claudia Ogrinz
besucht deshalb regelmäßig die Klinik St. Josef in Rüdesheim und schaut
gemeinsam mit Ärzten, Schwestern, Patienten und dem Klinikchef die
Folgen für das Haus an.
Papierkrieg: DRG
- Sendetermin Dienstag, 10. April, 10:00 Uhr
Das sogenannte "Fallgruppenbezogene Abrechnungssystem", kurz DRG,
kostet viel Zeit. Jedes benutzte Pflästerchen muss erfasst werden, denn
nur was in diesem Computersystem gespeichert ist, zahlt die
Krankenkasse. Die Ärzte in St. Josef müssen nicht nur die Krankheiten,
sondern auch Nebendiagnosen und Behandlungen erfassen. Chefarzt Dr.
Rottmann hat damit noch oft bis spät in den Abend mit Papier- bzw.
Computerkram zu tun.
Lücken im Versicherungsschutz
- Sendetermin Dienstag, 17. April, 10:00 Uhr
Immer häufiger kommen Menschen in die Klinik, die nicht
krankenversichert sind. Das sind ehemalige Privatversicherte, die weil
sie arbeitslos wurden, ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können oder
Menschen aus dem Ausland, die nie eine Versicherung hatten. Wie
reagiert Chefarzt Dr. Rottmann vom Krankenhaus St. Josef auf solche
Fälle?
Ambulante OPs
- Sendetermin Dienstag, 8. Mai, 10:00 Uhr
Neben den üblichen Aufnahmen, OPs und Entlassungen sind im Krankenhaus
Sankt Josef immer mehr ambulante Patienten zu versorgen, wenn auch nur
für ein paar Stunden. Dank der Gesundheitsreform können Patienten vom
Arzt ihres Vertrauens operiert werden, denn nun kann jeder
niedergelassene Arzt mit Kassenzulassung bis zu 13 Stunden in einer
Klinik arbeiten und zwar nicht nur ambulant, sondern auch stationär.
Arzneimittel
- Sendetermin Dienstag, 15. Mai, 10:00 Uhr
Was an Arznei ausgeteilt wird, hat sich seit der Gesundheitsreform zum
Teil geändert, denn die Ärzte in Sankt Josef verordnen möglichst nur
noch Medikamente, der Patient auch vom Hausarzt bekommen kann. Die
Krankenhausapotheken sind, was die Verordnung von Medikamenten angeht,
von den Neuerungen der Gesundheitsreform eigentlich nicht betroffen.
Aber die Krankenkasse des Patienten entscheidet über das Medikament,
das er bekommen soll, denn die Kassen schließen eigene Rabattverträge
mit den Pharmaherstellern ab, um an billigere Arznei zu kommen. Dehalb
achten die Ärzte darauf, dass sie, wenn es vertretbar ist, nur die
Medikamente verschreiben, die der Patient auch vom Hausarzt bekommen
kann.
Interdisziplinär - Bauchstation
- Sendetermin Dienstag, 22. Mai, 10:00 Uhr
Seit April setzt die Gesundheitsreform Hessens Kliniken zusätzlich
unter Druck. Im Krankenhaus Sankt Josef reagiert man kreativ und
erfindet die klinikinterne Zusammenarbeit neu. Interdisziplinär ist das
Zauberwort in Sankt Josef. Die Klinik Sankt Josef verdient vor allem
dann Geld, wenn die Klinik in kürzester Zeit so viele Patienten wie
möglich behandelt und diese auch schnell entlässt. Deshalb wird
interdisziplinär gearbeitet - relatives Neuland für die Rheingauer.
Patientenmappe
- Sendetermin Dienstag, 29. Mai, 10:00 Uhr
Die Patientenmappe ist eine Erfindung des Rheingauer Ärztenetzwerks.
Klinik- und niedergelassene Ärzte können sich mit den Infos daraus
teure Doppeluntersuchungen sparen, man arbeitet effektiver und der
Patient kann früher nach Hause. In die Patientenmappe kommen nicht nur
Daten aus St. Josef, sondern alle Arztbesuche, Untersuchungsergebnisse
und Eingriffe, die chronisch kranke Patientin schon erlebt haben. Und
anders als bei dem Chip, den das Bundesgesundheitsministerium sich
wünscht, kann der Rheingauer Patient mit seiner Mappe selbst
entscheiden, welchem Arzt er welche Informationen gibt.
Palliativmedizin
- Sendetermin Dienstag, 5. Juni, 10:00 Uhr
Seit dem 1. April hat jeder Mensch in Deutschland ein Recht auf eine
gute palliativmedizinische Versorgung, und das zu Hause. Wie weit das
umgesetzt ist, hat sich hr1-Reporterin Claudia Ogrinz im Krankenhaus St
Josef in Rüdesheim angeschaut. In St Josef soll eine eigene
palliativmedizinische Station entstehen, aber gemeinsam mit
niedergelassenen Ärzten, Pflegediensten und der Hospizbewegung will man
Schwerstkranke im Rheingau auch zu Hause betreuen. Das Projekt steckt
noch in den Kinderschuhen, denn bisher steht noch nicht fest, wieviel
zusätzliches Geld das Gesundheitsministerium bereitstellt, Standards
und Abrechnungsverfahren sollen bis zum Herbst stehen.
Geriatrie
- Sendetermin Dienstag, 12. Juni, 10:00 Uhr
Prävention im Alter hat für die Gesundheitsministerin einen hohen
Stellenwert und so gibt es gegen den Trend in der Geriatrie mehr Geld
im Abrechnungssystem, z.B. für Trainingsgeräte, die früher von
Leistungssportlern genutzt wurden...
Diabetes
- Sendetermin Dienstag, 19. Juni, 10:00 Uhr
Rund 8 Millionen Deutsche sind zuckerkrank. In der Klinik St. Josef
werden nicht zuletzt aus diesem Grund regelmäßig Diabetikerschulungen
angeboten. In der viertägigen Diabetikerschulung lernen die Patienten
welche Umstände die Zuckerkrankheit begünstigen oder auslösen können
(Stress, Veranlagung oder Krankheit) und wie man dieser vorbeugen kann,
beispielsweise durch gesunde Ernährung, wenig Stress und regelmäßige
Bewegung.
Nachwuchssorgen
- Sendetermin Dienstag, 26. Juni, 10:00 Uhr
Obwohl mit dem neuen Arbeitszeitgesetz Monsterdienste von 24 und mehr
Stunden in St. Josef Geschichte sind, ist nicht alles Gold was glänzt.
Wie sieht's aus mit dem Mediziner-Nachwuchs in der Rheingauer Klinik?
Die Nachwuchsärzte schätzen, dass sie bis zu 40 Prozent ihrer
Arbeitszeit mit Verwaltung verbringen. Alleine das Kodieren der
Diagnosen und Therapien für die Abrechnung frisst Zeit. Das frustriert,
das weiß auch Chefarzt Dr. Rottmann.
Neben der Bürokratie müssen die Assistenzärzte die Patienten versorgen.
Erst wenn auf den Stationen klar Schiff ist, ist Zeit für
OP-Teilnahmen, eigene Untersuchungen. Dann erst beginnt die Ausbildung.
Ethikkommitee
- Sendetermin Dienstag, 3. Juli, 10:00 Uhr
hr1-Autorin Claudia Ogrinz hat das Ethikkomitee im Rüdesheimer
Krankenhaus St. Josef besucht. Der medizinische Fortschritt macht auch
dort ethische Fragen dringender. Pfarrerin Beate Jung-Henkel ist
Vorsitzende des Ethikkomitees im Rüdesheimer Krankenhaus. Vor allem im
Fall von zweifelhaften lebensverlängernden Maßnahmen wendet sich der
behandelnde Arzt gemeinsam mit den Angehörigen an das Ethikkomitee.
Auch Chefarzt Dr. Rottmann sitzt im Komitee. Doch trotz aller
Unterstützung und Hilfestellung, die das Komitee bietet, die letzte
Entscheidung bleibt doch beim Arzt. Und die lautet: im Zweifel für das
Leben.
Inkontinenz
- Sendetermin Dienstag, 10. Juli, 10:00 Uhr
In St. Josef hat sich der Chefarzt der Gynäkologie auf den Kampf gegen
Inkontinenz spezialisiert - ein heikles Thema, nicht nur was die Scham,
sondern auch was das Abrechnungssystem der Krankenhäuser angeht. Wäre
die Gesundheitsreform eine Mutter, dann wäre die Gynäkologie wohl ihre
Stiefkind. So empfinden das zumindest Fachärzte in Hessen. Dr. Armin
Fischer ist Uro-Gynäkologe und damit Spezialist in Sachen Inkontinenz.
In seinem Warteraum sitzen Frauen aus dem ganzen Bundesgebiet. Von der
Seniorin bis zur jungen Mutter, sie alle haben eins gemeinsam, sie sind
inkontinent.
Intensivversorgung
- Sendetermin Dienstag, 17. Juli, 10:00 Uhr
St. Josef nimmt regelmäßig Intensivpatienten aus Mainz und Wiesbaden
auf, wenn die Stationen dort überbelegt sind. Und: das Haus muss die
medizinische Versorgung im Rheingau sicherstellen, also immer für
schwere Notfälle gerüstet sein. Intensivbetten sind im
Rhein-Main-Gebiet Mangelware. Das hat die Gesundheitsreform zum 1.
April nicht geändert. Im Gegenteil, denn der Druck hat sich erhöht,
gerade diese teuren Abteilungen zurechtzustutzen. Deshalb ist
Kooperation ein Zauberwort...
Herzschrittmacherambulanz
- Sendetermin Dienstag, 24. Juli, 10:00 Uhr
Die Gesundheitsreform hat ein Idealbild der Medizin entworfen: OP,
kurzer stationärer Aufenthalt, ambulante Nachversorgung und
halbjährliche oder jährliche Kontrollen zur Vorbeugung. Das trifft auf
dem Papier auf die Herzschrittmacherambulanz im Krankenhaus St. Josef
zu... Aber die Rüdesheimer Klinik ist auch in diesem Bereich mit den
Neuerungen nicht ganz zufrieden. Es fehlt an Zeit für die Patienten und
oft auch an Geld.
Fazit
- Sendetermin Dienstag, 31. Juli, 10:00 Uhr
hr1 hat das Rüdesheimer Krankenhaus St. Josef durch die ersten
stürmischen Wochen begleitet, nun heißt es Abschied nehmen. Zum Schluss
zieht hr1-Reporterin Claudia Ogrinz mit dem Klinikpersonal Bilanz.
Viele Ärzte schlagen Alarm: mehr Verwaltungsaufwand und kürzere
Liegezeiten. Doch die Reform bietet auch Chancen, meint der Klinikchef
Ulrich Wehe. In vielen Bereichen ist St Josef in Vorleistung getreten,
hat sich Wissen angeeignet, Personal und Geräte dazugekauft. Aber wie
genau das Geld für die Bereiche vergeben wird, entscheidet sich
frühestens im Herbst.