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„Ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas kann“

18.08.2017 14:08

- Kunstprojekt der SCIVIAS Caritas gGmbH stärkt Selbstvertrauen und Eigenverantwortung. - Mut, auch andere Themen des Lebens anzugehen

Die Kunsttherapeutin Beate Studer und Ergotherapeutin Tina Fischer erläutern die Maltechnik

„Stillleben“ heißt das Projekt, in dem seit März 2017 20 Menschen mit psychischen oder geistigen Beeinträchtigungen künstlerisch tätig waren. Wie alle Angebote der „Kreativa“, die pro Jahr zwei bis drei solcher Kunstprojekte anbietet, war auch dieses Projekt als offenes Angebot gehalten. Das bedeutet, dass die Menschen, die künstlerisch arbeiten möchten, jederzeit kommen können und bei ihrer Einzelarbeit begleitet werden. „Das verteilt sich gut über den Tag“, sagt Ulrich Roos, der Leiter des Teams Tagesstruktur. „In der Regel arbeiten nicht mehr als vier Menschen zeitgleich an ihrem Bild, was eine effektive  Betreuung möglich macht.“

Die Kunst- und die Ergotherapeutin sind beratend dabei. Etwa, wenn der Künstler die wichtigsten Aspekte eines Stilllebens individuell auswählt: Die Objekte, die Farben, die Zuordnung der gezeigten Formen zueinander, die Helligkeit bzw. Dunkelheit der Werke. Die Ruhe oder die Spannung der Bilder sprechen eine ganz eigene Sprache, in der sich die Persönlichkeit des Künstlers spiegelt. „So konnte jeder Maler durch eine selbstständige Auswahl viel von sich und seinen Vorlieben und Eigenheiten und seinem ‚Standpunkt‘ zeigen“, erläutern Beate Studer und Tina Fischer die Herangehensweise. „Durch die Strukturierung der einzelnen ‚Arbeitsschritte‘ konnten sowohl sehr eigenständige als auch schwächere Bewohner in das Projekt eingebunden werden.“

„Kreative Tätigkeiten sind aber in unserer Arbeit viel mehr als Angebote für eine Beschäftigung“, führt Ulrich Roos aus. „Sie haben für uns einen wirklich hohen Stellenwert. Wir möchten mit den kreativen Angeboten die individuellen Kompetenzen, die Eigenverantwortung und die Selbstständigkeit fördern.“ Dazu gehörten die Entscheidungen zur Farbauswahl, Bildgröße und zur Komplexität der Aufgabe. „Ganz wichtig ist: Eigene Ideen und Vorstellungen können dabei umgesetzt werden und so wird jedes Bild zum ‚eigenen Bild‘ des Malers. Für sein eigenes Bild hat der Maler die Verantwortung übernommen. Es wird damit zu seinem Werk und dieses unverwechselbar für ihn.“

Alle Beteiligten malten mit viel Freude und waren erstaunt und erfreut über die erreichten Erfolge. Die Erfahrung, etwas ganz Eigenes, Besonderes geschaffen zu haben, stärke zudem das Selbstbewusstsein der Menschen. „Das Ergebnis spiegelt eine Leistung wider, die sich mancher Bewohner nicht erträumt hätte“, hat Ulrich Roos beobachtet. „‘Ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas kann‘ - diese Worte habe ich schon oft gehört. Dieses positive Ergebnis macht natürlich auch Mut, sich wieder an andere Themen und Probleme des Lebens heranzutrauen.“

Solche Punkte fänden sich in anderen arbeitstherapeutischen Tätigkeiten nur sehr beschränkt, deshalb sei die Beschäftigung in der Kreativa so wertvoll und wichtig. „Wir als Betreuungspersonal und ganz besonders Frau Studer und Frau Fischer, mit ihren vielen Ideen für neue kreative Themen, sorgen immer wieder bei unseren Bewohnern für die notwendige Neugier und die Motivation, sich auf das Ausprobieren der verschiedenen Techniken einzulassen. Einzulassen auch mit dem Wissen, ich bin gut betreut und wenn ich Hilfe brauche, bekomme ich die notwendige Unterstützung und Anleitung dazu.“

Zur Technik:

Bei der Technik der Stillleben handelt es sich um eine experimentelle Mischtechnik mit folgender Vorgehensweise: Zunächst wurden dicke Pappen grundiert, Formen aus Zeitungspapier ausgeschnitten oder gerissen. Anschließend wurde die Positionierung der Formen zueinander vorgenommen und aufgeklebt. Der vierte Schritt bestand in der Farbauswahl und Gestaltung des Vorder- und Hintergrundes mit wasservermalbaren Wachskreiden, danach die farbliche Festlegung der Objekte. Das farbige Bild wurde dann mit einer Mischung aus Holzkleber und Kleister gespachtelt. Nach der Trocknung konnte mit Aquarell-, Acrylfarben und Kreide weitergestaltet werden.

 

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